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postheadericonJunge portugiesische Unternehmer suchen Auswege aus der Krise

Publiziert am 10 Juli, 2012 unter Wirtschaft
Gute Nachrichten

Die Wirtschaft in Portugal schrumpft und die Zahl der Arbeitslosen wächst. Trotzdem gibt es eine junge Unternehmergeneration, die sich mitten in der Krise neue Wachstumsmärkte erschließt.

junge portugiesische Unternehmerin
Jungunternehmerin Ana Catarina Gomes
Bild-Quelle: spiegel online

Für die Mehrzahl der Weintrinker ist der Geschmack eines Weines das Ergebnis aus fruchtbaren Böden und der Sonne, die Trauben langsam reifen lässt. Ana Catarina Gomes definiert den Geschmack des Weines anders. Für sie ist Geschmack vor allen Dingen ein Gencode.

Sie entschlüsselt in ihrem Labor die genetischen Unterschiede von Trauben und analysiert die Mikroorganismen, die den Most bei der Gärung in Wein verwandeln. Sie ist sich sicher, dass sie schon bald den Säuregehalt von Weinsorten steuern und bestimmen kann. So zum Beispiel, ob sich in den Geschmack ein Hauch von Orange oder auch eine Prise Zitrone mischt.

Geschäftlich kann die 34-Jährige die ersten Erfolge aufweisen. Sogrape, einer der größten Weinhändler Portugals und einer der umsatzstärksten Konzerne der Nation, hat sie bereits engagiert. Doch die Molekularbiologin will über die Grenzen Portugals hinaus: “Unser Ziel ist es, überall in der Welt die Weine besser zu machen”, sagt sie.

Zahlreiche Portugiesen denken wie Ana Gomes, nur wird über diese Generation wenig gesprochen.

Die Aussichten auf einen Erfolg der Reformen sind in Portugal deutlich besser als in Griechenland – und das hat mit Menschen vom Schlage einer Ana Catarine Gomes zu tun. Sie fragen sich nicht, ob der nächste Aufschwung kommt, sondern wann er kommt. Das Freiburger Zentrum für Europäische Politik bescheinigte der Lissabonner Regierung Ende Juni, sie mache bei der Umsetzung ihres Sparprogramms gute Fortschritte. Das Land sei auf einem guten Weg, wieder wettbewerbsfähiger zu werden.

Das Weinlabor von Frau Gomes ist Teil eines Technologierparks, in dem noch weitere 20 Firmen sitzen und dazu noch ein Forschungslabor mit rund 150 Wissenschaftlern, die gemeinsam mit den Firmen neue Ideen und Produkte testen. Das Zentrum nennt sich Biocant und liegt mitten im Wald zwischen den beiden Universitätsstädten Aveiro und Coimbra.

Viele Firmen auf dem Gelände arbeiten nach der gleichen Strategie wie Ana Gomes. Sie schaffen innovative Biotech-Produkte und greifen gleichzeitig auf den Erfahrungsschatz der traditionellen portugiesischen Wirtschaft zurück. Man hat in Portugal ein über Jahrhunderte kultiviertes Wissen über Weinbau, Land- und Forstwirtschaft.

Die Firma CEV beispielsweise stellt ein Schädlingsbekämpfungsmittel her, mit dem sich Weinreben und Mandelbäume umweltschonend behandeln lassen. Internationale Investoren haben bereits 25 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt. Ab Januar 2013 wird CEV das Mittel in großen Mengen nach Kanada und den USA exportieren. Ein Durchbruch für die Firma!

Die beiden Beispiele zeigen, dass man in Portugal von Seiten der Regierung und der Unternehmer die Zeichen der Zeit erkannt hat. Nach der “verlorenen Dekade” von 2000 bis 2009 herrscht in Portugal in vielen Bereichen wieder eine Aufbruchstimmung.

Besonders große Erwartungen hat man im Bereich Erneuerbare Energien. Im Jahr 2011 stammten bereits 46 Prozent der erzeugten Energie aus erneuerbaren Quellen.

“Portugal hat das Potenzial, zu Europas erster grüner Ökonomie zu werden”, sagt Agostino Miguel vom Branchenportal Energias Renováveis. Auch Carlos Faro, der Gründer des Technoparks Biocant, blickt optimistisch in die Zukunft.

Schön wenn man merkt, dass ein ganzes Land an einem Strang zieht, um “die Karre aus dem Dreck” zu ziehen.

Drücken wir den sympathischen Portugiesen die Daumen.

 

Quelle: spiegel