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postheadericonGlas als Baumaterial der Zukunft

Publiziert am 10 Juni, 2012 unter Technik
Gute Nachrichten

Die älteste überlieferte Rezeptur fürs Glasmachen ist auf einer 2600 Jahre alten Tontafel aus der Zeit des assyrischen Herrschers Assurbanipal aus Nivie  eingeprägt. Sie lautet: “Nehme 60 Teile Quarzsand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen und fünf Teile Kreide, gebe alles ins Feuer, und es entsteht Glas.” Im Prinzip wird Glas bis heute auf diese Weise hergestellt.

Glasbau modern, Baumaterial der Zukunft
Bild-Quelle: welt-online/Getty

Damals wie heute fasziniert uns Glas wegen seiner einmaligen Eigenschaften. Glas ist zugleich hart aber doch beliebig formbar. Glas ist lichtdurchlässig und durch bestimmte Zusätze kann man es einfärben. Damit wurde Glas zum begehrten Rohstoff für Künstler und für luxuriöse Gebrauchsgegenstände.

Warum ist Glas eigentlich durchsichtig?

Die Ursache hierfür beruht auf eigenartigen Vorgängen, die beim Erstarren der Glasschmelze ablaufen. Die Schmelze wird so schnell fest, dass die Atome keine Zeit finden, um sich strukturiert anzuordnen. Diese bilden bei Glas ein unregelmäßiges Netzwerk. Die Struktur befindet sich zwischen dem Zustand einer Flüssigkeit und dem regulären Gefüge eines Kristalls. Damit gibt es im Glas fast keine freien Elektronen, die in der Lage wären, Lichtteilchen einzufangen, somit kann Licht diese Substanz nahezu ungehindert durchdringen.

Doch was macht Glas so wertvoll und interessant, nicht nur als Fensterscheiben, für Gewächshäuser, als Bierflaschen oder in der Schmuckindustrie verwendet zu werden?

“Mit Glas zu bauen, vermittelt Offenheit und Transparenz”, sagt Bernhard Weller, Direktor des Instituts für Baukonstruktion an der Technischen Uni Dresden. Man denke nur an die Glaskuppel über dem Plenarsaal am Reichstagsgebäude in Berlin.

Zum idealen Baumaterial entwickelt sich heutzutage Glas aus den verschiedensten Gründen:

Dreifachverglasungen eignen sich optimal zur Wärmedämmung. Spezielle Oberflächenbeschichtungen sorgen dafür, dass Schmutzpartikel nicht mehr an der Glasoberfläche haften bleiben. Damit reinigt sich Glas von selbst. Hauchdünn aufgedampfte Silberschichten verhindern, dass Wärmestrahlung durch die Scheiben dringt. Dadurch heizen sich Räume im Sommer weniger auf und im Winter kühlen sie nicht so schnell aus. Als Glaskomposite bezeichnet man Bauteile, bei denen mehrere Glasschichten mit besonderen Zwischenfolien verklebt werden. Damit macht man Glas bruchsicher. Brandschutzgläser können großer Hitze widerstehen und platzen deshalb nicht, weil ein spezielles Gel zwischen den Scheiben einen Großteil der Wärme abführt.
Glasscheiben kann man so aufbauen, dass sie mittels integrierten Flüssigkeitskristallen wie eine Jalousie arbeiten. Die Reihe von technischen Anwendungen könnte man noch weiter ausführen. Ich will es aber damit bewenden lassen.

Seit kurzem wird Glas auch als lastübertragendes Element eingesetzt. Ende 2011 erteilte das Deutsche Institut für Bautechnik einem speziellen Verbundsicherheitsglas die “allgemeine bauaufsichtliche Zulassung”. Damit darf das neue Verbundglas, bei dem hoch belastbare Kunststofffolien zwischen den Glasschichten eingelassen sind, regulär in der Baustatik eingesetzt werden.
Experten attestieren dem Spezialglas eine sehr hohe Sicherheit bei geringem Gewicht. Darin liegt ein großer Vorteil gegenüber Stahl und Beton. Damit kann man “mit immer weniger Material mehr bauen”, wie Stefan Behling, Architekt und Leiter des Instituts für Baukonstruktion der Uni Stuttgart, sagt.

Hochbelastbare Verbundsicherheitsgläser wurden auch beim Bau des “Skywalk” über dem Grand Canyon eingesetzt. Diese gläserne Aussichtsplattform ragt 20 Meter weit über den Abgrund, 1200 Meter hoch über dem Colorado River. Das Glas für den drei Meter breiten Skywalk kommt vom deutschen Hersteller Saint-Gobain. Es hält eine Belastung von 750 Kilogramm pro Quadratmeter aus.

Viele Architekten weltweit sagen dem Baustoff Glas als Ersatz für Stahl und Beton eine große Zukunft voraus. Und seien wir mal ehrlich, was sieht schöner aus, eine Glasfassade oder eine Fassade aus grauem Beton und verrosteten Stahlträgern?

 

Quelle: welt