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postheadericonMystik: Erwachen für jedermann

Publiziert am 7 Juli, 2019 unter Allgemein
Andreas Monning

Ist Erleuchtung nicht nur was für Einsiedler, für Yogis, die abseits der Zivilisation in Wüsten und Höhlen leben und fasten? Von wegen sagt eine deutsche Theologin: Sie erforscht religionsübergreifend die Praxis von Mönchen und Nonnen und lehrt alltagstaugliche Übungen, mit denen jeder sein Bewusstsein erhöhen kann.

Einen Psalmvers aus der Bibel vor sich hinzumurmeln bringt´s. Davon ist Sabine Bobert nicht nur überzeugt, sie weiß es. Durch diese und ähnliche Praktiken verändern sich nämlich neuronale Strukturen in günstiger Weise, und das kann man heute mit MRTs sichtbar machen. Bobert forscht und lehrt am Institut für praktische Theologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ihr Arbeitsschwerpunkt lautet eher abschreckend Diakonik, Poimenik und Christliche Publizistik, doch ihr persönlicher Fokus liegt auf Mystik. Christlicher Mystik natürlich, aber längst nicht nur: Von Sufismus bis Zen erforscht die Wissenschaftlerin die mystischen Traditionen verschiedenster Kulturen. Denn letztlich geht es ihr um die Essenz, und die lautet “Erleuchtungsstreben”, oder anders formuliert: “Das Bemühen, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind”.

Und wie jeder da hinkommen kann, wenn er sich nur auf den Weg macht, das erklärt Sabine Bobert anschaulich und begeisternd. Unter anderem in zahlreichen Youtube Videos (Youtube-Kanal auf ihrer Homepage: mystik-und-coaching.de). Mitschnitten von Seminaren und öffentlichen Vorträgen, in denen sie kurzweilig und unterhaltsam ihre Forschungsergebnisse vorstellt und praktische Übungen erklärt. Zum Beispiel in ihrem zentralen Vortrag “Erleuchtet wie Meister Eckhart” (https://www.youtube.com/watch?v=6UxMX0VCB5I) oder der sehr praxisorientierten Lektion “Der Mönchs-Lifestyle – Widerstand gegen kulturelle Degeneration”:

 

Eine leichte Übung ist die Wiederholungstechnik “Ruminatio” (Wiederkäuen), das eingangs erwähnte Vor-sich-hin-murmeln, das selbst Persönlichkeiten wie Franz von Assisi praktiziert haben sollen. In östlichen Kulturen und Religionen wird das Wiederholen übrigens – in der auch hierzulande immer beliebteren Form – des Mantra-Singens praktiziert. Wiederholungstechniken sind also keineswegs eine Erfindung der christlichen Mystik, sondern in verschiedenster Form Teil der meisten Kulturen unserer Welt. Für Atheisten übersetzt Sabine Bobert ihre Übungen daher auch in weltliche Formulierungen: Statt “Gott, du mein Ein und Alles” könnte es dann auch heißen: “Ich bin reines Licht und Liebe”.

Wie all diese Übungen und deren fleißiges Praktizieren nicht nur zu persönlicher Glückseligkeit führen, sondern sogar helfen kann, die Welt zu retten? “Knappheit und Konkurrenz sind gesellschaftliche Konstrukte”, befindet die Professorin. Und je mehr Menschen zu einer wesentlichen Art zu leben zurückfänden, in der universelle Empathie selbstverständlich sei, desto eher hätte Verschwendung von Ressourcen keinen Platz mehr auf unserer Welt. Es würde wieder für alle reichen.